Wespen fernhalten ohne Chemie: Was am Esstisch wirklich hilft

Warum tauchen Wespen eigentlich genau dann auf, wenn der Kuchen angeschnitten ist und das erste Glas Saft auf dem Tisch steht? An warmen Spätsommertagen habe ich oft erlebt, dass ein zunächst ruhiges Frühstück auf der Terrasse innerhalb weniger Minuten deutlich unentspannter wurde. Dabei liegt das Problem selten darin, dass besonders viele Wespen unterwegs sind. Meist bietet der gedeckte Tisch schlicht genau das, wonach die Tiere gerade suchen: Zucker, Eiweiß und leicht erreichbare Flüssigkeit.

Wer Wespen nicht erst bekämpfen möchte, wenn sie bereits um Teller und Gläser kreisen, kann erstaunlich viel über die Umgebung steuern. Das funktioniert nicht immer perfekt, ist aber deutlich angenehmer als hektisches Wedeln mit Servietten oder der Griff zur Sprühdose.

Der gedeckte Tisch entscheidet mehr als jedes Hausmittel

Eine Wespe, die einmal Marmelade oder Limonade entdeckt hat, verschwindet nicht zwangsläufig nach wenigen Sekunden wieder. Genau deshalb räume ich Süßes inzwischen nicht erst nach dem Essen weg. Marmeladengläser bleiben geschlossen, Kuchen steht unter einer Haube und leere Teller kommen möglichst schnell vom Tisch.

Besonders unterschätzt werden Getränkereste. Ein fast leeres Glas Apfelschorle kann für Wespen interessanter sein als ein ganzer Teller mit herzhaften Speisen. Noch unangenehmer sind offene Flaschen und Getränkedosen, weil man eine hineingekrochene Wespe kaum sieht. Im Sommer trinke ich draußen deshalb möglichst aus Gläsern, bei Kindern gern mit einer passenden Abdeckung.

Auch Fleisch und Wurst spielen eine Rolle. Vor allem später im Sommer suchen Wespen nicht ausschließlich Süßes. Ein Grillteller mit Fleischresten kann sie ebenso anziehen. Deshalb funktioniert der oft gehörte Rat „einfach nichts Süßes aufstellen“ nur teilweise.

Was ich am Tisch lieber nicht mache

Das klassische Wegpusten gehört für mich dazu. Wespen reagieren nicht nur auf die Bewegung, sondern auch auf das ausgeatmete Kohlendioxid. Wildes Schlagen ist noch ungünstiger. Eine Wespe, die einige Sekunden über einem Teller schwebt, ist zunächst auf Nahrungssuche und nicht auf einen Kampf aus.

Hilfreicher ist es, ruhig zu bleiben und die eigentliche Attraktion zu entfernen. Das klingt banal, macht aber einen großen Unterschied. Wer sich grundsätzlich mit Mitteln gegen Wespen und ihrer sinnvollen Anwendung beschäftigt, sollte dabei zwischen Vertreiben, Vorbeugen und tatsächlicher Bekämpfung unterscheiden. Nicht jede Wespe am Frühstückstisch rechtfertigt dieselbe Maßnahme.

Ablenkfütterung funktioniert – aber nur mit Abstand

Mit einem kleinen Schälchen überreifer Trauben habe ich durchaus gute Erfahrungen gemacht. Entscheidend war allerdings der Standort. Zwei Meter neben dem Gartentisch bringt die Ablenkung wenig. Dort schafft man im schlimmsten Fall nur einen zweiten attraktiven Futterplatz.

Ich stelle eine solche Lockquelle eher fünf bis zehn Meter vom Sitzplatz entfernt auf, möglichst an eine Stelle, die nicht direkt am häufig genutzten Gartenweg liegt. Die Methode eignet sich vor allem dann, wenn regelmäßig einzelne Wespen auftauchen. Bei einem Nest unmittelbar am Haus löst sie das eigentliche Problem natürlich nicht.

  • Süße Getränke und Lebensmittel nicht offen stehen lassen.
  • Essensreste nach der Mahlzeit zügig entfernen.
  • Fallobst unter Obstbäumen regelmäßig aufsammeln.
  • Mülleimer geschlossen halten und klebrige Ränder abwischen.
  • Ablenkfutter deutlich entfernt vom Sitzplatz anbieten.

Gerüche werden oft überschätzt

Kaffeepulver, Zitronen mit Nelken, ätherische Öle oder verschiedene Kräuter werden gern als zuverlässige Wespenabwehr beschrieben. Ganz so eindeutig ist das in der Praxis nicht. Manche intensiven Gerüche scheinen einzelne Tiere tatsächlich auf Abstand zu halten, doch eine hungrige Wespe lässt sich davon nicht zuverlässig beeindrucken.

Ein Topf Minze auf dem Tisch kann angenehm sein und schadet nicht. Ich würde mich nur nicht darauf verlassen, wenn daneben ein offener Pflaumenkuchen steht. Ähnlich sehe ich das Verbrennen von Kaffeepulver. Der Rauch kann störend wirken, ist aber gleichzeitig für die Menschen am Tisch nicht unbedingt angenehm.

Wenn ständig Wespen auftauchen, suche ich nach der Ursache

Kommen innerhalb weniger Minuten immer wieder Wespen aus derselben Richtung, lohnt sich ein genauer Blick auf die Umgebung. Manchmal liegt einige Meter entfernt Fallobst im Gras, manchmal steht ein schlecht geschlossener Biomüllbehälter hinter dem Haus. Gelegentlich befindet sich tatsächlich ein Nest in einem Rollladenkasten, unter Dachziegeln oder in einem Hohlraum.

An einem Nest sollte man nicht selbst herumstochern, es verschließen oder mit Wasser bearbeiten. Das verändert die Situation schlagartig und kann aus bislang unauffälligen Tieren verteidigende Wespen machen. Bei problematisch gelegenen Nestern ist fachliche Unterstützung die vernünftigere Lösung.

Am entspanntesten sind Sommernachmittage für mich inzwischen nicht dort, wo irgendein besonders starkes Mittel auf dem Tisch steht. Es sind die Situationen, in denen für Wespen schlicht wenig Interessantes zu holen ist. Eine einzelne Wespe darf dann auch einmal eine Runde über den Tisch drehen. Meist verschwindet sie schneller, als man erwartet – vorausgesetzt, niemand beginnt den alten Kampf mit der zusammengerollten Zeitung.

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